Iggy, Pop und ich mit dem BVG-Bus durch Berlin…

Ich saß heute im Auto und hörte plötzlich einen alten Bekannten aus dem Radio behaupten er wäre ein reisender Passagier. Hallo Iggy Pop…aber warte mal, war da nicht was mit Iggy, Pop und Berlin? Schnell mal das allwissende Orakel mit dem großen G befragt, und da stand woran ich mich doch zu erinnern vermochte.

Wie einige Größen seiner Zeit war Iggy Ende der 1970iger Jahre nach West-Berlin gegangen. Ich habe bis heute nur schemenhafte Ideen was diese Künstler seinerzeit motiviert haben mag ausgerechnet in die vermauerte Inselstadt zu reisen. Und zu allem Überfluss dann auch noch in Deutschland. Nachtleben? Berlin-Zulage? Weil auch sie sich dem Militärdienst entziehen und Taxi fahren wollten? Vielleicht war es die Mischung aus all dem. Plötzlich wurde mir dann aber klar, dass sich Iggy zu einigen seiner bekanntesten Songs in Berlin inspirieren ließ. Und das sind bestimmt Lust for Life und Passenger. Dass man im Berliner Nachtleben Lust for Life kriegen kann das kann ich mir ja noch vorstellen. Aber wie kommt man auf die Idee in Berlin…in Berlin (?)…in Berlin (!)…eine Hommage über die öffentlichen Verkehrsmittel und das erklärtermaßen beliebteste Bepöbelungsobjekt der Eingeborenen zu verfassen? Da fühlt man sich ja fast genötigt das satirisch zu beleuchten:

Kopfkino an

Ich sitze mit Iggy in der 1977iger Variante eines BVG-Busses. Wir wählen natürlich das Oberdeck, einfach weil wir schon damals cool und Punk waren. Wir fahren durch Iggys Kiez und er zeigt mir Stellen die er gerne mag. Er singt dazu:

I am a Passenger, and I ride and I ride

Ich erinnere mich ganz klar wie seine erste Textidee lautete:

I am with BVG, that I like, that I like

Scheint sich in der finalen Version des Liedes aber so nicht durchgesetzt zu haben. Er textet weiter, scheint einen Lauf zu haben:

I am a passenger, I stay under glass, I look through my window so bright

Er guckt also aus dem Fenster und erzählt was von einem Döner Kebab, also Fleisch das von einem Drehspieß geschnitten und mit Brot, Salat und einer Soße gereicht wird. Klingt so spektakul- wie revolutionär und ist erschwinglich. „Hat das Zeug zum Massennahrungsmittel in der Zukuft. Glaub’s mir“. Dass diese Variante der im Orient schon lange bekannten Vollwertmahlzeit auch noch in Berlin erfunden wurde, darauf besteht er, der Iggy. Seinen Optimismus möchte ich haben. Klingt ja gerade so, als wenn es das in Berlin irgendwann mal an jeder Ecke zweimal geben würde. Das halte ich ja für ein Gericht.

Wir fahren also weiter und kommen am Flughafen Tempelhof vorbei. Witzig so ein Flughafen mitten in der Stadt. Aber was für eine Platzverschwendung in bester Lage. Man sollte den irgendwann stilllegen und entweder komplett zubetonieren für Wohnraum oder eine offene Parkanlage für die Bürger daraus machen. Besser letzteres, schließlich ist ausreichender und bezahlbarer und ausreichend bezahlbarer Wohnraum in Berlin auf Jahrhunderte kein Problem, und wird es auch niemals werden.

Es wird Nacht und Iggy wieder kreativ:

He sees the city sleep at night, he sees the stars are out tonight

Schon ein Guter der Iggy. Wie er auch die einfachsten Beobachtungsfrüchte so gezielt auf den Punkt und textlich in Form bringen kann. Wir fahren noch ein Weilchen bis zu einer Tanzlokalität namens

la la la la la lala la la

wo Iggy heute auftreten wird. Damit war dann auch der Text für den Refrain gefunden. Bingo!

Kopfkino aus

So oder ähnlich könnte das doch damals gelaufen sein. Ob die BVG davon weiß? Oder vielleicht heute noch Tantiemen daran verdient? Oder ihm zahlt?

Diese Antwort weiß auch komischerweise das Orakel nicht. Dann behaupte ich es einfach weiterhin.

I am a Passenger.

René

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