Warum und seit wann schon wieder last Christmas ist…

Aufgrund eines gewissen Lebensalters hätten man und ich es ahnen können. Es kam trotzdem überraschend, unverhofft und spontan. So wie jedes Jahr der erste Schnee auf den Straßen. Ich meine, es gab Anzeichen und Vorwarnungen. Die Saisonverschiebungen machen es einem allerdings schwer. Denn schließlich versuchen die Marketingabteilungen diverser Süßwaren- und Gebäckhändler die Saison bis in den März zu verlängern, nur um sie dann direkt im Juli, noch vor den Sommerferien, wieder beginnen zu lassen. Spätestens aber als in meinem Stamm-Netto um die Ecke Anfang September die entweder ersten Stollen diesen Jahres, oder die letzten Kekse der Vorjahres-Konsum-Saison mitten in den Gang geschoben wurden, da hätte es mir auffallen müssen.

Es wird tatsächlich wieder Weihnachten. Also bald. Also mehr oder weniger bald. Eher mittelbald. Aber es kommt bestimmt.

Und dann ist es mir heute passiert. Mein Stamm-Netto nötigte mir Stollenkonfekt auf. Anfang November. Oh nein, das werde ich jetzt vor meiner Mutter geheimhalten müssen. Zu groß die Gefahr eines Spontanvortrages im Stile von: „Wir kaufen Weihnachtssachen frühestens am ersten Advent“. Wobei ich nie den Mut hatte zu fragen, ob „wir“ mich, aufgrund familiärer Bande, mit einschließt. Seit meinem Auszug von zu Hause vor 18 Jahren folge ich dieser Devise trotzdem. Vorsichtshalber. Einfach nur um sicher zu sein. Aber klar ist, dass ich das jetzt gut verbergen muss. Mindestens bis zum ersten Advent.

Oh, auf dem Heimweg ein Anruf. Natürlich. „Hallo Mama. Ja, hier alles gut. Oooooch, ich? Nee, nix besonderes. Ist ja noch nicht mal Weihnachten oder so. Haha.“ Und plötzlich gesteht sie mir im Nebensatz, gerade so als wenn es nichts bedeutete, dass sie letzte Woche vor einem Konzert auch bereits ge-vorweihnachtet hat. Ein Glühwein war es der mir mein Weltbild zumindest anriss, und sämtliche Vorweihnachts-Mustersohn-Ambitionen meinerseits zunichte machte. Kann man sich denn heute auf gar nichts mehr verlassen?

Oh doch, man kann. Und ich kann das auch. Neben der Tatsache, dass der 24. Dezember immer auf einen Heiligabend fällt gehört eines irgendwie dazu. Last Christmas von Wham! Wohl kaum eine andere Gesangsdarbietung spaltet die vorweihnachtlichen Gemüter so wie diese. Und auch für diese Lied gilt in meinen Augen der gute alte Monty Python-Vergleich. Ähnlich wie die Schwarzhumorigen von der Insel gilt auch bei Last Christmas, dass du es entweder liebst, oder du hasst es. Und zwar beides mit Leidenschaft, und dem dazugehörigen Nachdruck für die eigene Überzeugung einzustehen. Eine Grauzone ist weder bei weder noch bei noch vorgesehen.

Und genau dort beginnt mein Problem. Während ich es in manchen Jahren nicht erwarten kann das Lied zu hören („Aha, jetzt ist Weihnachten“), gibt es auch Jahre in denen ich ab Mitte November vorsichtshalber kein Radio mehr höre weil ja Last Christmas laufen könnte („Aha, jetzt ist Weihnachten“). Das nennt sich ein Konflikt. Noch keine Schizophrenie, aber hinreichend Konfliktpotential hat Wham! da schon 1984 in die Gesellschaft eingeführt. Und weckt diese in jedem Jahr mit schöner Regelmäßigkeit zur Vorweihnachtszeit.

Nur um mal zu gucken ob es nach diesem sich anbahnenden inneren Nervenaufrieb noch immer den selben Effekt hat schalte ich nun das Lied ein:

Last Christmas, I gave you my heart. But the…

Ok, das reicht. Ja, nervt noch. Oder schon. Vielleicht einfach noch zu früh, ist ja schließlich noch kein erster Advent. Oder ich brauche vorher einen vorweihnachtlichen Glühwein mit Stollenkonfektgeschmack.

…very next day, you gave it away.

Schluss jetzt. Ich gehe Monty Python gucken.

Now for something totally different and the bright side of life.

René

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