[ABC.Etüden 45.46.18] Neulich in Berlin mit mir in der ersten Reihe

Dies ist mein erster Versuch einer Bereicherung des Konzeptes ABC.Etüden. Was praktisch genau die Art von Find-ich-toll-mach-ich-mit-Projekt ist wie ich es gesucht habe. Daher nehme ich hier gerne die Herausforderung an die Worte

Knirps
grotesk
notieren

in maximal 300 Wörtern textlich zu verarbeiten. Die Wörter stammen dieses Mal von Wortgerinnsel.

Etüde an

Neulich in Berlin.

Ich hatte mich mal wieder auf das Wagnis eingelassen den Großstadtdschungel mit dem öffentlichen Safaribus zu bereisen. Das Abenteuer öffentlicher Nahverkehr birgt, gerade in Berlin, manchmal groteskere und gefährlichere Szenen innerhalb der Verkehrsmittel, als außerhalb der selbigen überhaupt denkbar wäre.

So begab es sich, dass der Bus von einer Mutter mit ihrem exakt 5-jährigen Sprössling namens Iggy bestiegen wurde. Ich wusste das so genau, da ich in Safaribussen stets die Loge einzunehmen pflege. Nachwuchs Iggy trat dann in seiner ihm eigenen jugendlichen Forschheit einem Herrn mittleren Alters direkt vor ihm in die Hacken. Dieser, wenig amüsiert, drehte sich um, sah niemanden, blickte dann hinab, zögerte kurz verwundert, und begann dann doch noch sein Berliner Unterhaltungsprogramm:

„Pass ma uff du Knirps. Noch so’n Ding und dann klatscht es. Aber kein Beifall, dit sach ick dir“. Knirpssprössling Iggy dreht sich weinend und schutzsuchend zur Hulk-mutierten Mutter um und will sich gerade beschweren, da wettert diese schon ungefragt zurück:

„Wat bist du denn für’n blödes Rindvieh? So kannste doch nicht mit Kindern reden“. Während ich noch sinniere ob es auch kluge Rinder gibt, und mich daran erfreue, dass der Berliner an sich auch in solch emotional aufgeladenen Momenten stets die Haltung bewahren kann, um sein Gegenüber weiterhin ungefragt aber stilsicher zu duzen, hole ich Stift und Papier heraus. Diese Szene muss ich notieren. Denn wer weiß wozu solche Geschichten, die definitiv nur das Leben schreibt, nochmal gut sein werden. Für die Nachwelt sollte man sowas aufbewahren, das glaubt dir doch nachher wieder keiner.

Iggy ist das egal, der hat jetzt Mama Hulk’s Handy zum Spielen bekommen.

Etüde aus

 

15 Kommentare

  1. Ah, noch ein Berliner! „Dann klatscht es, aber kein Beifall!“ Großartig! 😀
    Klingt so, als könntest du mir bestimmt (in den Etüden oder außerhalb) die Feinheiten der Berliner Schnauze erklären, ja? Ihr tickt da nämlich gefühlt ganz anders als wir hier in unserem schönen Norden.
    Auch hier bei dir ein herzliches Willkommen bei den Etüdenverrückten!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

  2. Herzlich willkommen! Als Randberlnerin habe ich heute auf dem Weg nach Marzahn und zurück mit den Öffis wieder Bände erlebt. Dabei habe ich das Auto wegen der unendlichen Baustellen stehen lassen, aber bei so viel Gleisbauarbeiten überall pupt sich das flach …

    Liebe Grüße aus dem Speckgürtel,
    Anna-Lena

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo und danke für die Begrüßung. Ich wäre natürlich auch sehr an der ein oder anderen Episode aus deinen ÖPNV-Bänden interessiert. Genug Stoff wird uns da ja geboten. Hauptsache wir verlieren nicht den Spaß dabei 🙂 VG zurück in den Gürtel, René

      Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s