[ABC.ExtraEtüden 40.19] Beliebtheit vs Beleibtheit. Mein voller Ernst…

Wurst kann ich.

Extrawurst bekam ich oft als Kind.

Daher bietet Christiane, so der Monat 5 Sonntage trägt, uns die Möglichkeit die in den letzten 4 Wochen verwendeten Wörter der Etüden als ExtraEtüde neu zu verwursten. Nur dieses Mal galt es 5 aus den vorherigen Wörtern zu wählen, und diese in 500 Wörter zu kleiden.

Die Wörter im September waren derer 6, gestiftet von Ludwig Zeidler und Alice und ihrem Blog Make a choice Alice, kontinuierlich angestiftet von Christiane. Die Begriffe lauteten:

Verzweiflungstat
ambivalent
hingeben
Roman
variabel
entlassen.

[Etüde an]

Das Schöne an der deutschen Sprache ist neben ihrer Vielfältigk- ihre gleichzeitige universelle Einfachheit. Mehr oder weniger.

Und so glitten mir neulich beim Schreiben eines völlig artfremden Themas über einen Berliner Kriminalisten zwei Wörter aus den Fingern wie sie gleicher kaum klingen und sich ergänzen, sie zeitgleich kaum unterschiedlicher aber sein könnten. Schaut man sich an was dieser Kriminalist im Laufe seiner Dienstzeit so alles geleistet hat ist es fast etwas seltsam, dass man ihn kaum kennt, und nicht Dutzende von Romane über ihn erschienen sind. Vielleicht verkehre ich auch einfach nicht ausreichend in den einschlägigen Kreisen.

Oder schon mal was von Ernst Gennat gehört?

Nein?

Siehste. Ich bis vor Kurzem auch nicht.

Er soll an dieser Stelle aber einmal für die variable Ergänzungsnutzung dieser genannten Wörter Pate stehen. Oder eher sitzen. Der Knie wegen.

Dieser Herr vereinte nämlich diverse interessante charakterliche Eigenschaften auf seiner Person. Das steigerte seine Beliebtheit.

Und außerdem wog er ca. 135 kg. So steigerte er offensichtlich stückweise seine Beleibtheit.

Durch seine Beliebtheit und Beleibtheit verdiente er sich sogar den Spitznamen „Der volle Ernst“, der sich auch durch einen eigenwilligen trockenen Berliner Humor und eine direkte und offene Art auszeichnete, für die man ihn fast entlassen hätte.

Ihm wird auch ein durchgängig beneidenswerter Appetit nachgesagt, da er sich wohl regelmäßiger Ernährung hinzugeben wusste.

Was außer dem korrekten Umgang mit Spuren und deren Sicherung von Beweisen, der Gründung einer organisierten Polizeieinheit, dem Verbot von Gewalt beim Verhör, die Begründung des frühen Profilings, der Fernsehfahndung, der (Weiter-)Entwicklung von Ermittlungstechniken, sowie des 3. und 4. Frühstücks hat er denn nun eigentlich überhaupt geleistet, der volle Ernst?

Und wie oft wurde seine Frau wohl, auf ihn deutend, gefragt, ob das wirklich ihr voller Ernst wäre?

Nun könnte man also mutmaßen, wer beliebt ist ist irgendwann automatisch auch beleibt.

Oder ob man, so beleibt, auch beliebt werden kann. In unserer heutigen Zeit der photogeshoppten Ideale.

Und wie man Beliebtheit mit zunehmender Beleibtheit bewahren kann.

Gibt es vielleicht sogar einen Zusammenhang, eine Parallelität, einen gleichbleibenden Anstieg von Beliebt- und Beleibtheit?

Andersherum stellt sich wieder die Frage ob auch beleibt wird wer (bereits) beliebt ist.

Oder (bereits) beleibt sein muss um (zukünftig) beliebt zu sein.

Oder es aber vorzuziehen wäre lange beliebt zu bleiben um auch irgendwann, als Zeuge des eigenen Wohlstands, beleibt sein zu können.

Oder, nicht nur im Ernstfall, man auch beliebig beliebt sein kann auch ohne beleibt zu sein.

Er selbst mag ja beileibe auch gar nicht so beleibt gewesen sein wie man immer behauptet.

Dafür aber beliebt wie das holde Weib, die seiner Beleibtheit Vorschub zu leisten geneigt war. Ihn, in Ermangelung von Stachelbeerkuchen außerhalb einer x-beliebigen Saison, in einer Art Verzweiflungstat mit Kaltem Hund ruhig zu stellen geruhte.

Man, Ernst und ich dürfen also feststellen:

Form follows Function – Beleibtheit follows Beliebtheit. Kühne These.

Diese These und weitere Fragen drängen sich also auf, wenn man den vollen Ernst des Lebens näher beleuchtet.

Er wäre stolz auf mich gewesen.

[Etüde aus]

René

15 Kommentare

  1. Natürlich gleich brav den Wiki-Artikel gelesen. „Buddha der Kriminalisten“ ist aber auch kein schlechter Spitzname. Auf jeden Fall eine interessante These, aber was passiert mit Menschen die erst beleibt sind, bevor sie beliebt sind. Können die dann nicht mehr beliebt werden?
    Grüße, Katharina

    Gefällt 1 Person

      1. Gute Idee. An einem beliebigen Wahlsonntag schauen wir dann auf die wachsende Beliebtheit…und die sogenannte „Ranzenspannung“ gilt als neuer Indikator für wachsende Beleibtheit.

        Guter Ansatz…

        Liken

  2. Stark *verwundert guck*. Ich steh ja auf „Form follows function“, aber ob das auf Beliebtheit und Beleibtheit so zu übertragen ist, das bezweifle ich dann doch erst mal prinzipiell und überhaupt. Der Artikel wiederum (mit so spannenden Begriffen wie „Mordauto“ und „Mordehe“) ist wiederum sehr interessant. Danke fürs Finden und Teilen!
    Liebe Grüße, schönen Sonntag!
    Christiane 😀

    Gefällt 1 Person

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