[ABC.Etüden 43.44.19] Ernüchterndes Halloween 2019 in Berlin …

Es scheint fast so als käme ich einfach nicht drum herum. So wenig ich Halloween ursprünglich etwas abgewinnen konnte bzw. noch immer kaum kann, umso mehr schreibe ich darüber. Ist doch komisch. Oder Schicksal. Oder die Heimsuchung von Jack O‘ Lantern.

Und als hätte ich mich in äußerst zufriedenstellender Teamarbeit nicht schon genug zum Thema geäußert, nutze ich nun die aktuellen, von Christiane betreuten, Etüden der Textwochen 43.44.2019 für ein weiteres Statement. Hello Wien. Die aktuellen Begriffe wurde uns von Ulli Gau direkt aus ihrem Café Weltenall in den Süßigkeitenkorb gelegt:

Vogelflug
ängstlich
schwingen.

[Etüde an]

Seit ungefähr zwei Wochen ist mein Sohn etwas nervös gewesen. Fast so nervös als stünden Weihnachten und sein Geburtstag kombiniert ins Haus.

Ich verstand es zunächst nicht. Erst, als er vorgestern mit selbst gebastelter Sense und schwarzer Kutte vor mir stand dämmerte es. Es stand, wie er es nennt, endlich Gruselfasching vor der Tür. Also gruseliges Fasching. Herbstfasching. Also Halloween.

Ich wollte Anläufe unternehmen und ihm gestenreich mit schwingenden Armbewegungen über die mangelnde Tradition, und daraus folgend über die zu verwehrende Unterstützung dieses Feiertages aufklären. Ich entschied mich dagegen. Er soll ja seine eigenen Erfahrungen machen. Also fragte ich ihn wie er denn diesen Tag zu gestalten gedenkt. Klar, um die Häuser wollte er ziehen und Süßigkeiten erfragen. Mitkommen sollte ich. Der mentalen Unterstützung und des Nachdrucks wegen. Ich könne wohl fordernd genug gucken attestierte mir mein Nachwuchs.

Während ich noch sinnierte ob das nun ein Kompliment war zog er doch alleine los. 2 Stunden später kam er mit ängstlichem Gesichtsausdruck zurück. „Was ist passiert, mein Sohn?“ frage ich bedeutungsvoll in schützend-väterlicher Manier.

„Papa, ich weiß nicht warum Leute so komisch sind. Ich wollte Süßigkeiten. Die Frau zwei Häuser weiter wollte mir aber erklären wie ungesund Zucker, Kohlenhydrate, Gluten etc. sind. Das wollte ich doch gar nicht wissen. Dann gab sie mir Haferriegel, Proteinkekse mit Bio-Kokosblütenzucker, vegane Gummibärchen, gebackenen Kürbis und so’n Zeug. Warum macht sie sowas? Das war nicht nett von ihr. Weiß sie nicht was Halloween ist?“

„Weißt du es denn? Und wie hast du reagiert?“ fragte ich schlagfertig.

„Ich hab das total gut gemacht. Als sie dann auch noch anfing über den Vogelflug zu dieser Jahreszeit zu reden bin ich einfach weitergegangen. Ein paar Wohnungen weiter bekam ich dann richtige Gummibärchen. Das ist doch Halloween.“

Ich schwieg. Ein bißchen stolz war ich trotzdem.

René

[Etüde aus]

Nachdem ich feststellte, dass ich sogar Christianes aktuelle Etüden-Grafik mit ihrer Erlaubnis umgestaltet habe muss ich es wohl akzeptieren. Hier scheint sich eine neue Obsession Bahnen zu brechen. Oder eine Tradition zu entwickeln. Man darf gespannt sein.

7 Kommentare

  1. Ich lach mich schlapp. Vorschlag an deinen Sohn: Im Pulk gehen, Pulks werden seltener zugeschwallt. Wundert mich eh, dass auf der einen Seite von besorgten Mamis überall Zuckerfreiheit gepredigt wird, die Kids sich zu Halloween aber dennoch bis zur Bewusstlosigkeit mit Süßigkeiten vollstopfen dürfen …
    Ich finde ja, dass gebackener Kürbis schmeckt. Zu Halloween wollte ich ihn allerdings auch nicht bekommen.
    Liebe Grüße
    Christiane, weitestgehend halloweenfrei, dafür heute mit Feiertag

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, Halloween ist und bleibt eben voller Widersprüche, tatsächlicher oder eingebildeter Natur. Das wollte ich wahrscheinlich auch irgendwie sagen 🙂

      Dann feier mal schön. Ich arbeite heute. Und heute Abend geht mein Sohn dann tatsächlich zur Kostümparty, in genannter Verkleidung 🙂

      Liken

  2. Na, Dein Sohn mit seinen 36 Jahren scheint ja doch schon ziemlich abgehärtet zu sein. Da hat er das Herz am rechten Platz gegen diese Öko-Verrohung. Bedenken diese sog. Trendsetter eigentlich, wie viele Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg an der Zuckerrübe und ihrer Verwertung hängen? Und unser geliebter Rübensirup, den bis in die heutige Zeit kein anderes Volk der Welt – auch die Chinesen und Donald Trump nicht – haben kopieren können? Die deutsche Zuckerrübe ist ein Weltkulturerbe! Das muss hier mal laut und deutlich gesagt werden!
    Danke René, daß Du das auch hier mit an den Pranger gestellt hast!

    Gefällt 2 Personen

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